«Es fühlt sich hier gut an»

Der anstehende Wohnungswechsel war für José Vazquez Anlass, eine Auszeit zu nehmen. In den drei Monaten als Langzeitgast im Lassalle-Haus möchte er sich neu orientieren und seine spirituellen Erfahrungen vertiefen.

«Ich bin 36 und arbeite seit vier Jahren selbständig im Informatik-Bereich. Im Zusammenhang mit einem Wohnungswechsel stand eine Neuorientierung an. Ich wollte eine Auszeit nehmen und überlegte mir, was ich tun könnte. Reisen? Nein, dieses Mal zog es mich nicht in die Ferne. Dieses Mal war mir wichtig, die Reise in meinem Innern zu machen. Das Lassalle-Haus schien mir dazu der richtige Ort zu sein. Hier kann ich mich intensiver der inneren Welt widmen und Neues dazulernen.

Schon von klein auf habe ich einen Zugang zur Spiritualität. Ich wurde katholisch erzogen, sehr offen, war freiwillig Ministrant, suchte dann nach Neuem, weil mich das Gewohnte nicht ganz erfüllte. Ich hatte diese Sehnsucht in mir, die mich Schritt für Schritt weiterbrachte. Vor 15 Jahren begegnete ich der jüdischen Mystik. Ich stiess auf ein Buch mit einem alten Text, übersetzt auf Deutsch, der mich sehr berührte und nicht mehr losliess. Ich wollte mehr wissen, vertiefte mich. Vor einigen Jahren lernte ich den Buddhismus kennen, begann zu meditieren, kam zum Zen. Das wurde für mich ein ganz wichtiger Teil, den ich seither in meinen Alltag integriere. Ich versuche, Praxis und Alltag zu verbinden.

Und nun bin ich für drei Monate als Langzeitgast im Lassalle-Haus. In den ersten Tagen musste ich mich etwas an den ungewohnten Rhythmus gewöhnen, inzwischen bin ich angekommen. Es war ein guter Entscheid, hierher zu kommen, ein sehr guter. Die Begegnungen, die Nähe zur Natur, die Stille, der Tagesrhythmus – die Elemente nähren die Seele. Es fühlt sich hier gut an.

Meine Tage beginnen um 6.30 Uhr mit einer stündigen Meditation. Dann frühstücken wir. Im Anschluss arbeite ich bis mittags. Als Langzeitgast arbeite ich in der Woche 21 Stunden und bekomme dafür Kost und Logis. Bisher wurde ich in der Wäscherei, in der Küche und im Garten eingeteilt. Vor dem Mittagessen gibt es ein Mittagsgebet. Der Nachmittag ist zur freien Verfügung. Ich spaziere gerne, lese, meditiere. Um 17.40 Uhr nehme ich jeweils am Gottesdienst teil und nach dem Nachtessen um 20 Uhr nochmals an einer Meditation. Dann ziehe ich mich in mein Zimmer in der Forrenmatt zurück.

Die Architektur gefällt mir sehr. Die Grosszügigkeit und Ruhe der Räume geniesse ich. Ihre Schlichtheit tut gut, es ist hier nicht alles gefüllt, das lässt Raum. Es passt alles perfekt zueinander und ineinander. Dieser Ort hat etwas Zeitloses, beziehungsweise ist der Zeit angepasst.»