«Ein Teil des Seelen-Inventars»

Seit 2006 lebt die Ärztin Heidi Eilinger im Lassalle-Haus, engagiert sich in der Kursleitung von Exerzitien und Kontemplation, in Freiwilligenarbeit, geistlicher Begleitung sowie der Betreuung von Langzeitgästen.

«Oft höre ich, dass es unseren Gästen ein Gefühl von Heimat gebe, wenn sie im Lassalle-Haus auf bekannte Gesichter stossen. Ja, ich bin ein Teil des Seelen-Inventars dieses Hauses. Seit acht Jahren wohne und arbeite ich hier – und fühle mich zu Hause, verwurzelt und verbunden.

Lange Jahre arbeitete ich als Ärztin in einer Praxis mit meinem Mann. Nach seinem Tod machte ich mich auf den Exerzitien- und Kontemplationsweg. Im Lassalle-Haus habe ich einen Ort der Stille und der Begegnung gefunden. Meine kleine Wohnung gibt den Blick frei zum Wald und auf die Wiese. Morgens werde ich von Vögeln geweckt, ich bin von Blumen und feinen Gerüchen umgeben; ebenso bin ich aber auch nahe am Puls des Alltags. Der Bus fährt vor der Türe und bringt mich bis um Mitternacht wieder zurück. Die Stille im Haus erlaubt Fragen zu allem, was Menschsein bedeutet. Zugleich ermöglicht dieses Haus den Austausch mit vielen interessanten Menschen, die hier ein und aus gehen. In diesem Umfeld kann ich mithelfen und meine Arbeitskraft als nicht mehr Berufstätige sinnvoll einbringen. Es tut mir wohl, selbst bestimmen zu können, wie oft ich allein sein möchte und wie viel ich in die Gemeinschaft einbringen will. Hier gestalten alle nach ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten mit. Und jeder geht hier seinen eigenen spirituellen Weg.

Als Ärztin hatte meine Stimme ein Gewicht; mein Alltag war geprägt von Entscheiden. Hier im Lassalle-Haus sind es die Jesuiten, die entscheiden, und ich trage mit. Das heisst auch, sich unterzuordnen und nicht mehr für alles Verantwortung zu übernehmen. Das schmerzt manchmal, es passt aber zum meinem Älterwerden, es gehört dazu.

Oft wird das Lassalle-Haus als Oase bezeichnet. Wer hier wohnt und arbeitet, entdeckt aber schnell, dass auch hier Menschen mit Ecken und Kanten arbeiten und wohnen. Es ist kein heiler Ort. Wir begegnen den gleichen Fragen wie draussen. Genau das ist aber auch wichtig. Es ist unser Ziel, für die Fragen der Welt offen zu sein.»