Bewegte Geschichte

Wie sich die ehemalige «Wasserheil-Anstalt Bad Schönbrunn» zum heutigen Lassalle-Haus entwickelte.

1860 Der Menzinger Dorfarzt Peter Hegglin eröffnet die «Was­­ser­heil-­Anstalt Bad Schönbrunn». Die praktizierten Kneipp-­Methoden führen bald schon zu internationaler Bekanntheit.

1914 Mit Beginn des Ersten Weltkriegs bleiben die ausländischen Gäste aus; finanzieller Abstieg.

1929 Der Jesuitenorden übernimmt das ehemalige Kurhaus und etabliert das erste Exerzitienhaus der Schweiz, das «Bildungs­haus Bad Schönbrunn». In den Dreissigerjahren ­fin­den beispielsweise Exerzitienkurse für Arbeitslose statt, 1940 folgen Exerzitien für polnische Internier­te und gegen Ende des ­Krieges solche für internierte Italiener.

1968 Das baufällig gewordene alte Kurhaus weicht dem Neubau des Zürcher Architekten André M. Studer. Der Gartenarchitekt Josef Seleger gestaltet die Umgebung.

1993 Unter dem Jesuiten und Zen-Meister Niklaus Brantschen erhält das Haus einen neuen Namen: Lassalle-Haus – zu Ehren des Jesuitenpaters Hugo Enomiya-Lassalle SJ, des wichtigen Wegbereiters des Dialogs zwischen Zen und Christentum.

1995 Niklaus Brantschen und Pia Gyger gründen das Lassalle-­Institut, dessen Fokus auf ethischen Fragen liegt. Das Angebot richtet sich an Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und anderen Feldern der Gesellschaft. Das Institut ist u. a. bei der UNO als Nichtregierungsorganisation akkreditiert.

2001 Der neue Bildungsleiter Dr. Christian Rutishauser SJ erweitert das Angebot im Bereich jüdisch-christlicher Dialog und theologisch-philosophische Reflexion von spiritueller Erfahrung. Lukas Niederberger wird Direktor des Lassalle-Hauses. Wichtige Fragen zur Zukunft des Lassalle-Hauses werden geklärt; seine Stellungnahmen zum öffentlichen politischen Geschehen sorgen teilweise für Irritation.

2006 Die Stiftung Weltethos eröffnet im Lassalle-Haus eine Dependance.

2007 Dr. Christian Rutishauser SJ wird Direktor des Lassalle-Hauses.

2009 In Kooperation mit den Universitäten Fribourg und Salzburg starten zwei Masterstudiengänge zur christlichen Spiri­tu­ali­tät und zur spirituellen Theologie im interreligiösen Prozess.

2010 Der neue Direktor Tobias Karcher SJ ruft das «Lassalle Ethik Forum» sowie den «Dialog zwischen Medizin und Spiritualität» ins Leben.

2012 Dr. Christian Rutishauser SJ wird zum Provinzial der Schweizer Jesuiten ernannt; er engagiert sich weiter als Kursleiter und Verantwortlicher für die MAS-Lehrgänge. 2013 Bruno Brantschen SJ übernimmt die Bildungsleitung.

2014 Die Denkmalpflege des Kantons Zug stellt André M. Studers Gebäude unter Schutz.

01.2015 – 03.2016 Die Hauptsanierungsarbeiten werden am Stück durchgeführt, um den Betrieb möglichst wenig zu stören. Während der Bauzeit werden mehr als die Hälfte der Kurse im Kloster Menzingen durchgeführt, wohin auch der Empfang und die Büros verlegt werden. Die meisten Mitarbeitenden können weiterbeschäftigt werden.

04.2016 Wiedereröffnung Zukunft Um sich zentralen wirtschaftsethischen Themen künftig intensiver widmen zu können, baut das Lassalle-Haus sein ­Angebot für Führungskräfte und Mitarbeitende von Unternehmen aus; neue Akzente werden zudem im Bereich Paar­spiritualität sowie Auszeit gesetzt. Am bewährten Dreiklang Spiritualität-Dialog-Verantwortung verändert sich nichts: Er wird auch künftig weiter klingen.

Eckdaten

  • Das Lassalle-Haus konzentriert sich ­auf die drei Schwerpunkte Spiritualität, Dialog und Verantwortung.
  • Als Zentrum für Spiritualität vermittelt es traditionsreiche Wege der Mystik: Zen, Exerzitien, Kontemplation, Yoga, Sufismus, Kabbala.
  • Pro Jahr werden 300 Kurse angeboten, die von gut 5000 Teilnehmenden in Anspruch genommen werden; das spie­gelt sich in knapp 17 000 Kurstagen und knapp 15 000 Übernachtungen.
  • 38 Mitarbeitende tragen das Lassalle-­Haus, in dem 72 Zimmer zur Verfügung stehen.
  • Gegenwärtig umfasst die dort lebende Jesuitengemeinschaft acht Patres.
  • Der Betriebsaufwand beträgt gut ­CHF 4,1 Mio.

Harmonikale Bauweise

André M. Studer (* 1926, †  2007, bestattet auf dem Areal des Lassalle-Hauses) zählte zu den bedeutenden Schweizer Architekten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die harmonikale Bauweise prägte sein Schaffen. Dabei werden mathema­tische Gemeinsamkeiten von Architektur, Musik, Religion ­und Astrologie erfasst und in ein System eingeordnet. Studer sah die in Zahlen fassbare Musik als Vermittlerin von Gefühlen. Zahlen werden damit zu Trägern eines Tonwertes, die sich ­zur sogenannten Tonzahl verbinden. In André M. Studers Bauten steht alles in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Das einsaitige Instrument Monochord verhelfe dazu, Architektur in Töne umzusetzen, je nachdem, wie lang die schwin­gende Saite sei. Das wiederum ermögliche, jedem Bau eine ihm eigene ­Melodie zu verleihen. Studers Grundmass ist die menschliche ­Fusslänge: der ca. 30 Zentimeter lange «Fuss». Aufgrund ­dieses Masses ist auch das Lassalle-Haus entstanden. In der Unterschutzstellungs­verfügung der Denkmalpflege des ­Kantons Zug steht: «Erstens betragen alle Masse, vom kleinsten Detail bis zu den äusseren Abmessungen, ein Mehr­faches oder einen Bruchteil von 30 cm. Zweitens besteht ein Hauptraster von 1,8 auf 3,0 Meter. Dieses durchgehende ­Raster hält als Einheit in der Vielfalt die unterschiedlichen Teile der Anlage zusammen. Und drittens gründen die Propor­tionen der Architektur, ausgehend vom Grundmass von 30 Zenti­metern, auf der harmonikalen Bauweise. Diese ­bezieht sich unmittelbar auf ganzzahlige Proportionen, die in der ­Natur vorkommen und insbesondere für die musikalischen Intervalle gelten.»