Intensives Suchen, Tasten, Klären

Worte des Architekten André M. Studer und Einschätzungen des Bauherrnvertreters Markus Mettler sowie des ­ehemaligen kantonalen Denkmalpflegers Georg Frey.

Er machte es sich nicht leicht. Wie stark der Architekt André M. Studer in den Sechzigerjahren in das Projekt des Neubaus des Lassalle-Hauses eintauchte, davon zeugen schriftliche Dokumente. Als äusserst «vielschichtig» bezeichnete er das Projekt und führte aus, wie sehr die «geistige Aufgabe» alle Überlegungen dominierte: «Einkehr zur Besinnung, Selbstbesinnung, Besinnung auf Gott hin, auf unsere Aufgabe innerhalb der von uns allen gebildeten und zu tragenden menschlichen Schicksalsgemeinschaft. Das gegenseitige sich bedingende Wirken und Erleiden der Welt mit dem mannigfaltigen Wechselspiel des Ich und Du, des Ich zu Gott und des Wir zu Gott bildet hier vielleicht die Grundthematik. Dass die Menschen, die sich hier zusammenfinden, nicht eine nur zeitlich eng begrenzte, abstrakt geistige, sondern auch eine lebendige seelische und körperliche Gemeinschaft, eine Gesellschaft bilden, dass die Energien, um die sie sich bemühen, später weiterhin nicht nur bei jedem Einzelnen nach innen, sondern ob seiner Verflechtung mit der Welt in diese hinein wirken sollten, gibt der Aufgabe ihr besonderes Gepräge.» Den Weg dorthin umschreibt er als «langes, intensives Suchen, Tasten und Klären.»

Gehäuse wie ein Kleid

Laut Studer bauen Menschen Häuser, um darin Schutz und Geborgenheit zu finden. «Die leiblichen, seelischen und geistigen Bedürfnisse des Lebens verlangen nach einem Gehäuse wie einem Kleid.» Und so, wie Kleider Bewegungs­freiheit lassen, sich dem Körper anpassen, ihm Schutz gewähren und in ihrer Form der Funktion und dem Charakter der Person entsprechen sollen, so sollte das Gehäuse den zahlreichen Aufgaben des darin stattfindenden Lebens gehorchen.

Zu meisternde Herausforderungen

Diese nach innen und nach aussen gerichtete Ausstrahlung von Studers Bau gilt es zu bewahren. Das ist erklärtes Ziel des Vereins, es ist Auflage der Denkmalpflege und es ist tägliches Bestreben des Bauherrenvertreters Markus Mettler. Dabei gilt es einige Herausforderungen zu meistern. Laut Mettler führte Studers Architektur bereits zur Zeit des Baus zu Kompromissen in der Bauphysik, wobei dazumal weniger Ansprüche an die Gebäudehülle gestellt wurden als heute. Deshalb waren ästhetische Details möglich, die es inzwischen schwer hätten.

Als Beispiel nennt Mettler Betondecken, die im Innenraum sichtbar sind, in den Aussenraum überlaufen und direkt an die Fenster heranstossen. Das führt dazu, dass die kalte Aussenluft die Betondecke abkühlt und eine Wärmebrücke bewirkt. «Bis anhin war das kein Problem», so der Bauherrenvertreter; die ganze Gebäudehülle sei nicht sehr dicht gewesen, was Kondensationsprobleme oder das Aufkommen von Schimmelpilz verhindert habe. «Wenn wir nun neue Fenster einbauen, die wärmetechnisch optimaler sind, müssen wir aufpassen, alles im Griff zu behalten und nicht neue Bauschäden zu verursachen.

Keine Abstriche an der Architektursprache

Solche Überlegungen führen zur Grundhaltung, das zu machen, was sinnvoll ist, aber eben nicht mehr. Diese Balance zu halten, beschreiben der Bauherrenvertreter Markus Mettler und der ehemalige kantonale Denkmalpfleger Georg Frey als die grösste Herausforderung: «Wir möchten das Haus in Bezug auf den Energiehaushalt verbessern, ohne Abstriche an der Architektursprache zu machen», so Mettler. Oder wie es Frey formuliert: «Wie kann man das Gebäude energetisch sanieren, ohne die Qualität der Architektur zu zerstören?» Da und dort wird aber eher grosszügig in die Gebäudetechnik eingegriffen, um danach wieder «mindestens 30 Jahre Ruhe zu haben», wie Mettler es formuliert: «Es wäre falsch, jetzt gewisse Elektro-Installationen unbeachtet zu lassen und sie in fünf oder zehn Jahren erneuern zu müssen, weil dann ja die neuen Decken wieder aufgebrochen werden müssten. Wir möchten, dass jetzt alles auf den aktuellen Stand gebracht wird.»

Die Lichtschalter werden bleiben, wo sie schon immer waren

Besonders grosser Wert wird darauf gelegt, alle Details der harmonikalen Bauweise zu erhalten. Das betrifft vor allem die Masse und Proportionen. Auch wenn sich Lichtschalter üblicherweise auf einer Höhe von gut einem Meter befinden, werden sie in Studers Gebäuden auf der Höhe von 90 Zentimetern verbleiben. Einige Hürden werden im Bereich des Brandschutzes zu meistern sein. Frey bezeichnet die starke Verzahnung von Innen und Aussen und die offenen Übergänge von einem Raum zum nächsten als eine der «prägendsten Qualitäten» des Hauses. Der Brandschutz schätze aber in sich geschlossene Zellen und brandschutzsi­chere Türen.